Wirtschaftliche Effekte eines Wegfalls der Bilateralen I

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Ein Wegfall der Bilateralen I führt zu erheblichen negativen wirtschaftlichen Effekten für den Investitions-, Forschungs-, Produktions- und Exportstandort Schweiz

BIP der Schweiz ohne Bilaterale I im Jahr 2035 um 7.1 Prozent tiefer

BAKBASEL zeigt die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz ohne Bilaterale Verträge I für den Zeitraum 2018 – 2035 auf. Insgesamt zeigt sich, dass die reale gesamtwirtschaftliche Leistung der Schweiz (BIP) ohne die Bilateralen I im Jahr 2035 um 7.1 Prozent oder 64 Mrd. CHF tiefer liegen dürfte als mit Beibehaltung der Bilateralen I. Die Auswirkungen auf das BIP sind jedoch nicht in allen Jahren gleich, sondern bauen sich über die Zeit auf. Betrachtet man die Effekte über den Gesamtzeitraum von 2018 bis 2035, so beträgt der kumulierte Verlust rund 630 Mrd. CHF. Damit verliert die Schweiz im Simulationszeitraum fast die gesamtwirtschaftliche Leistung des ganzen Jahres 2015.

Jede Schweizerin und jeder Schweizer verliert bis zu 36‘000 CHF

Obwohl sich mit dem Wegfall der Bilateralen I auch das Bevölkerungswachstum reduziert, liegt auch die pro Kopf gerechnete Leistung deutlich tiefer. Der Verlust an gesamtwirtschaftlicher Wohlfahrt im Jahr 2035 beläuft sich pro Kopf auf rund 3‘400 CHF. Kumuliert für die Jahre 2018-2035 werden pro Kopf rund 36‘000 CHF weniger erwirtschaftet.

Wegfall der Bilateralen I reduziert BIP-Wachstum um ein Viertel

In einem Szenario ohne Bilaterale I reduziert sich die durchschnittliche BIP-Wachstumsrate für den Zeitraum 2018-2035 auf 1.2 Prozent pro Jahr, während BAKBASEL im Referenzszenario mit 1.6 Prozent pro Jahr rechnet. Dies entspricht einer Reduktion des Wachstumstempos um ein Viertel.

Eingeschränkte Personenfreizügigkeit mit grösstem Effekt

Auch wenn die Wirkungen der einzelnen Abkommen interagieren und nicht vollkommen trenn-scharf aufgegliedert werden können, lassen die Analysen auch eine Abschätzung der Bedeutung der einzelnen Abkommen zu. Bezogen auf die, über den Gesamtzeitraum (2018-2035) kumulierten, realwirtschaftlichen Effekte resultiert mit 39 Prozent die mit Abstand grösste Rückwirkung aus der eingeschränkten Personenfreizügigkeit (258 Mrd. CHF), gefolgt vom Abkommen zum Luftverkehr (19 Prozent oder 117 Mrd. CHF). Die wirtschaftlichen Auswirkungen der zunehmenden technischen Handelshemmnisse und des Ausschlusses vom EU Forschungsrahmenprogramm belaufen sich jeweils auf 7 Prozent (44 Mrd. CHF). Das negative Schadenspotenzial der wegfallenden Abkommen zur öffentlichen Beschaffung und zum Landverkehr fallen mit 3 Prozent (17 Mrd. CHF) bzw. 2 Prozent (10 Mrd. CHF) geringer aus. Der geringste gesamtwirtschaftliche Effekt ist vom Wegfall des Landwirtschaftsabkommens zu erwarten (<1%, 2 Mrd. CHF). Für die direkt betroffenen Landwirtschaftsbereiche sind die Einbussen jedoch erheblich. Darüber hinaus wirkt mit 22 Prozent der so genannte systemische Effekt (kumuliert 140 Mrd. CHF), der den im Zusammenspiel aller Abkommen zusätzlich auftretenden Verlust an Standort- und Investitionsattraktivität beschreibt.

Der Wegfall der Einzelabkommen wirkt unterschiedlich im Zeitverlauf

Während die wegfallenden Luft- und Landverkehrsabkommen sowie die öffentliche Beschaffung ihre negativen Wirkungen unmittelbar von Beginn an entfalten, werden die Folgejahre immer stärker von der eingeschränkten Personenfreizügigkeit und den systemischen Effekten dominiert. Auch der Ausschluss aus den EU Forschungsrahmenprogrammen und der allgemein eingeschränkte Zugang zum EU Absatzmarkt fallen mit zunehmender Dauer stärker negativ ins Gewicht als in den ersten Jahren.

Die Ergebnisse zeigen, was auf dem Spiel steht

Der Studienansatz und die Ergebnisse können nicht gleichgesetzt werden mit vergangenen Effekten der Einführung der Bilateralen I. Ebenso beschreiben die Ergebnisse nicht die potenzielle zukünftige Situation der Schweiz ohne die Bilateralen I, denn zu erwartende politische Reaktionen auf einen Wegfall sind explizit nicht Teil der Auftragsbeschreibung. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben Auswirkungen auf andere Abkommen (z.B. Schengen) oder auch zukünftige Vereinbarungen. Diese könnten die Effekte verändern. Insgesamt zeigt die Studie auf, was für die Schweizer Volkswirtschaft bei einem Wegfall der Bilateralen I auf dem Spiel steht. Aus gutachterlicher - d.h. ökonomischer - Sicht führt der Wegfall der Bilateralen Verträge I zu erheblichen negativen wirtschaftlichen Effekten für den Investitions-, Forschungs-, Produktions- und Exportstandort Schweiz. Eine gesellschaftspolitische Bewertung geht damit explizit nicht einher.

STATEMENTS

Hintergrund

Der neue Verfassungsartikel 121a sieht die eigenständige Steuerung der Zuwanderung durch die Einführung von Höchstzahlen und Kontingenten sowie das Prinzip des Inländervorrangs vor. Dies ist nicht mit dem Freizügigkeitsabkommen Schweiz-EU vereinbar. Es besteht das Risiko, dass die Bilateralen Verträge I als Reaktion auf die Einschränkung der Personenfreizügigkeit in ihrer Gesamtheit aufgekündigt werden.

Gesamtwirtschaftliche Effekte eines Wegfalls der Bilateralen I

BAKBASEL zeigt mit der vorliegenden Studie die gesamtwirtschaftlichen Effekte eines Wegfalls der Bilateralen I für die Schweiz auf. Auf der Grundlage von detaillierten abkommensspezifischen Analysen und deren Implementierung in die umfangreiche Modellwelt von BAKBASEL wurden die Auswirkungen des Wegfalls aller sieben Einzelabkommen sowie der darüber hinaus entstehende systemische Gesamteffekt berechnet.

Vergleich der zukünftigen Entwicklung der Schweiz mit und ohne Bilaterale I

Um die Auswirkungen bestmöglich darzustellen, wurden mit Hilfe des makroökonomischen Strukturmodells von BAKBASEL zwei Szenarien gerechnet. Das Referenzszenario beschreibt die zukünftige Entwicklung der Schweiz mit Beibehaltung der Bilateralen I. Dem wird im Alternativszenario eine zukünftige Entwicklung der Schweiz ohne Bilaterale I ab 2018 gegenüber gestellt. Der detaillierte und stringente Abgleich der beiden Szenarien erlaubt die konsistente Analyse und umfassende Darstellung der gesamtwirtschaftlichen Implikationen bis 2035.